Zwei junge Männer beim Rudern auf dem Fluss

Life+ - My favourite River

Das rechte Neckarufer wird aufgewertet

Vom Hechtkopf an der Remsmündung bis zu den Ochsenwiesen in Hochberg soll langfristig ein Naherholungsgebiet entstehen. Mit seiner einzigartigen Lage an den beiden Flüssen Neckar und Rems hat die Stadt Remseck ein wunderbares Naturreservoir, das an seinen Ufern zur Naherholung geradezu einlädt.

Momentan ist das allerdings kaum möglich, denn die Ufer sind nur an wenigen Stellen frei zugänglich: Bäume und dichte Sträucher versperren den Weg und behindern den freien Blick über den Fluss und die Landschaft. Der dichte Uferbewuchs lässt eine Stadt-Raum-Beziehung nicht oder nur ansatzweise zu. Das Spannungsverhältnis zwischen Stadtlandschaft (Neue Mitte) und Wasser soll neu betont werden.

Seit 2006 wird überlegt, wie man durch Landschaftsgestaltung Naherholungsräume schaffen kann. Das Potenzial ist da: Unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten sollen es bald zur Geltung bringen.

Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 31. Mai 2011 dem Planungsauftrag zugestimmt. Bis zum Jahr 2014 soll das über die EU geförderte Projekt Life+ umgesetzt werden. Mitbeteiligt an diesem Projekt sind das Wasser- und Schifffahrtsamt, der Verband Region Stuttgart und die Stadt Ludwigsburg. Die Projekte der Stadt Ludwigsburg (z. B. Zugwiesen) und der Stadt Remseck am Neckar werden als Pilotprojekte durch die EU gefördert.

Blick Richtung Nordosten auf das rechte Neckarufer (2011) Rechtes Neckarufer - Ansicht 2011

Projekthintergrund und Ziele der Maßnahmen der Städte Remseck und Ludwigburg

  • Nachhaltige Nutzung und Identifikation mit dem Neckar
  • Renaturierungen, städtebauliche Entwicklungen sowie Lebens- und Erholungsqualität
  • Sicherung der Funktion und nachhaltiger Unterhalt des Neckars als wichtige Verkehrsinfrastruktur in Form einer Bundeswasserstraße
  • Planung und Durchführung von Demonstrationsprojekten
    - Renaturierung einer Uferstrecke mit Flachwasserzone im Bereich der Stadt Ludwigsburg
    - ökologische Uferumgestaltung als Stadtentwicklung im Bereich der Stadt Remseck am Neckar
Den Planungsauftrag zur Renaturierung des linken Neckarufers hat das Büro Gänßle und Hehr aus Esslingen bekommen.

Planung in drei Abschnitten

Vorhaben 1 – Neckarufer / Remsmündung Flachwasserzone / Sandbank

Den Auftakt der neuen Freiraumgestaltung und Renaturierung des rechtsseitigen Neckarufers bildet der unmittelbar an der Remsmündung gelegene Bereich. Hier soll in direkter Innenstadtnähe eine hochwertige Aufenthaltsqualität geschaffen werden, die zur Erholung einlädt und den Übergang zu den naturnahen Vorhaben flussabwärts bildet. Zentrales Thema hierbei: Eine Zugänglichkeit zum Wasser schaffen, die momentan nicht oder nur sehr schwer möglich ist. Durch wasserbauliche Maßnahmen können sich die Schwebstoffe und Sande der Flüsse ablagern und zu einem natürlichen Strand entwickeln. Um diese Qualität zu unterstützen, soll, erhöht durch eine Stufenanlage, der Sandstrand weitergeführt werden. Der Bewuchs in den  Böschungsbereichen wird deutlich zurückgenommen und der Neckar  somit erlebbar. Eine Aussichtsplattform und ein Info-Pavillon ergänzen die Anlage zu einer attraktiven funktional vielseitigen Einheit.

Vorhaben 2a Life+ - Uferrenaturierung / Uferweg / Slipanlage

Die vorhandene Straße zur Kläranlage (Gaffert) wird in nordwestlicher Richtung weitergeführt. Ab dem Klärwerk wird dann ein 2 m breiter Fußweg, mit einer Deckschicht aus Colorasphalt (Leitbild: wassergebundener Parkweg),  in nördlicher Richtung am Flussufer entlang bis zum geplanten Fischlaichgewässer weitergeführt. Ab hier wird der Weg nordöstlich verschwenkt und bindet an die Erschließung zum jüdischen Friedhof an. Der sehr dichte Baumbewuchs (Auwaldrelikte, Brombeergebüsch, Robinien) am Ufer wird entfernt, der Fluss wieder erlebbar. An der Westseite des Klärwerks wird die Grundstücksfläche um ca. 2-3 m zurückgenommen, so dass für den Uferweg ausreichend Platz zur Verfügung steht. Das Gelände zur Kläranlage hin wird mit Mauerscheiben abgefangen. Oberhalb des neuen Deckwerks zur Ufersicherung wird mit ingenieurbiologischen Bauweisen (Röhrichtwalzen) gearbeitet. Zusammen mit der geplanten Uferrenaturierung im weiteren Verlauf entsteht ein homogenes Vegetationsbild. Ab der Kläranlage in nördlicher Richtung öffnet sich das Gelände, der Uferweg wird verschwenkt, die Uferböschungen werden abgesenkt, hierbei entstehen Flachwasserzonen als wichtige Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. Sitzmöglichkeiten, Holzdecks laden zum Verweilen und Erleben der Flusslandschaft ein.
Eine geplante Slipanlage wurde fürs erste weggelassen.

Vorhaben 2b Life+  – Uferrenaturierung – Uferweg – Entdolung Bach (Klinge)

Das Gelände des Schifferclubs zwischen Kläranlage und Remsmündung sowie die Realisierung des Abschnitts zwischen Schifferclub und Minigolfanlage wird bis zum Jahr 2013 zurückgestellt, damit die Abstimmungsgespräche mit den Eigentümern und Nutzern in geeigneter Art und Weise geführt werden können. Grundsätzlich ist auch hier eine Uferabsenkung mit den entsprechenden Renaturierungsmaßnahmen angedacht. Die genannten Kosten beinhalten Bachrenaturierung und Uferabsenkung.

Vorhaben 3 Life+ - Wegebeziehung Ochsenwiesen

Die Planung sieht vor, den Stadtteil Hochberg an das Wegesystem Neckarufer anzubinden. Ab dem geplanten Fischlaichgewässer wird ein Fußweg in nördlicher Richtung weitergeführt und an die vorh. Infrastruktur angeschlossen. Die östliche Anbindung wird bis zur Bestandstreppe zum Ortszentrum geführt. An dieser Stelle wird auch der vorh. Grasweg entlang der Hangböschung angebunden, sodass ein Rundwegsystem entsteht. Eine offene Bauweise des Wegesystems, d.h. eine wassergebundene Deckschicht wird als ausreichend betrachtet, ebenso eine reduzierte Wegebreite von 1.50m. Entlang des Neckars verläuft ein geschützter Gehölzstreifen (§30 BNatSchG), dieser soll  in östlicher Richtung, parallel zum Industriegebiet weiterentwickelt werden, sodass eine adäquate  Abschirmung zum Naturraum entsteht. Der  Bestandsweg hoch zum jüdischen Friedhof wird direkt zum Neckar verlängert und endet dort an einer Aussichtsplattform („Neckarbalkon“). Durch diese Maßnahme wird es auch dem Benutzer des Radwegs entlang der Neckarremser- Straße ermöglicht einen Abstecher zum Friedhof und zum Neckar hin zu machen.

Förderung

Jedes einzelne Vorhaben ist so konzipiert, dass es als einzelner Baustein im Gesamtprojekt gesehen und umgesetzt werden kann. Je nachdem wie sich die Finanzsituation der Stadt Remseck entwickelt, werden die einzelnen Projekte umgesetzt.

Für die vier Partner WSA, VRS, Stadt Ludwigsburg und Stadt Remseck steht über die EU ein Förderrahmen von rund 4,2 Millionen Euro zur Verfügung. Auf Remseck entfallen dabei Investitionskosten von ca. 1,1 Millionen Euro - die Hälfte davon muss die Kommune aus eigener Tasche tragen. In diesen Kosten sind allerdings auch Personal- und Infrastrukturkosten enthalten.

Das besondere Interesse des Projektes liegt in der Entwicklung gemeinsamer Standards und EU-weit vergleichbarer Handlungsprinzipien zwischen Bund, Land und Gemeinden.

Umsetzung

Am 18. Oktober 2011 hat der Gemeinderat eine Entscheidung darüber getroffen, wie und wann die Einzelmaßnahmen aus dem Life+ Projekt umgesetzt werden sollen. Man war sich einig, dass der Planungsansatz sehr gelungen ist und es wünschenswert wäre, wenn alle Projekte auch so umgesetzt werden könnten. Für künftige Maßnahmen in diesen Bereichen soll daher die Gesamtplanung des Büros Gänßle und Hehr als Masterplan herangezogen werden. Aus der gesamten Planung wird zunächst das Vorhaben 1 „Neckarufer / Remsmündung Flachwasserzone / Sandbank" umgesetzt. Zusätzlich zu dem Vorhaben aus dem Life+ Projekt wird am Neckarufer als Ausgleichsmaßnahme zur Bebauung in Pattonville ein Fischlaichgewässer angelegt.

Ausblick

Verschiedene ineinandergreifende Projekte zur Gestaltung der Ufer an Neckar und Rems bilden ein neues, viel Raum bietendes Gesamtwerk. Die Flusslandschaft wird neu wahrgenommen und durch unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten lebendig und attraktiv.

Zusammen mit der Planung der „Neuen Mitte“, die unter anderem auch Vorschläge zur Aufwertung des Neckarufers bringen soll, und dem geplanten Grünprojekt Remstal zur Gestaltung des Remsufers wird man diesem Bild ein großes Stück näher kommen.

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