Abendliche Veranstaltung in Remseck
Wappen von Meslay-du-Maine
Meslay-du-Maine

Weitere Infos zur französischen Partnerschaft gibt es hier

Stadtnachrichten

Lebendige Freundschaft ohne Falten


Am vergangenen Wochenende wurde nicht nur Deutsch und Französisch gesprochen – auch Englisch, Spanisch und vor allem „Mit Händen und Füßen“ waren beliebte Verständigungsformen. Und wenn gar nichts mehr ging, musste eben eine Übersetzungshilfe aus dem Internet ran.

108 Französinnen und Franzosen vom Teenager- bis zum Seniorenalter waren zu Gast in Remseck, um das 40-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Remseck am Neckar und Meslay-du-Maine zu feiern. Alle sind bei privaten Gastgebern in der Stadt untergekommen: manche bei langjährigen Freunden, einige bei ganz Fremden, eine Familie hat gleich vier junge Fußballer aufgenommen. „Es hat uns sehr gefreut, dass die Remsecker sich so gastfreundlich gezeigt haben“, so Organisator Raphael Dahler, „so haben die Menschen viel intensiveren Kontakt, als wenn sie sich nur bei ein paar Veranstaltungen treffen.“

Für die französischen Gäste gab es ein buntes Programm. Begrüßt wurden sie am 1. Mai an der Gemeindehalle Aldingen, wo sie gleich Gäste der Hocketse des Musikvereins waren und verpflegt wurden.

Am Freitagvormittag wurde eine Stadtrundfahrt angeboten. Zur Begrüßung hatten die Kinder der Kita im Hof zwei französische Lieder eingeübt, die sie stolz und fröhlich vorgetragen haben. Erster Bürgermeister Karl-Heinz Balzer informierte über die aktuellen Projekte der Stadt Remseck und zeigte vor der Rundfahrt, den neuen Neckarstrand, das Feuerwehrhaus Rechts des Neckars sowie den neuen Kunstrasenplatz am Hummelberg.

Die Fußballer vom AS Meslay und vom TV Aldingen besuchten anschließend das Daimlerstadion, besichtigten die Spielerumkleiden und durften auf der Trainerbank Platz nehmen. Ein Bummel über das nahegelegene Frühlingsfest gehörte natürlich auch dazu, bevor für alle Jugendlichen abends eine Party im Haus der Jugend stattfand.

Die Erwachsenen konnten nachmittags die Innenstadt, das Mercedes-Museum und bzw. oder ebenfalls das Frühlingsfest besuchen, das die Franzosen schlicht „Fête de la bierre“ nannten, Bierfest. Dort erlebten sie gemeinsam mit ihren Remsecker Gastgebern einen feucht-fröhlichen Abend im Zelt…
Die, die es etwas gediegener mochten, besuchten eine Besenwirtschaft und genossen Wein statt Bier.
In den Verbindungen zwischen dem Musikverein Aldingen und der Harmonie Ste. Cécile hat die Städtepartnerschaft ihre Wurzeln. Bis heute gedeiht diese Pflanze: Der französische und der deutsche Musikverein probten am Samstag gemeinsam und musizierten beim offiziellen Festabend in der Bürgerhalle Hochberg so harmonisch, als ob sie immer in der großen Besetzung zusammen spielen würden.
Nach morgendlichem Training spielten die Fußballer am Samstagnachmittag in aller Freundschaft gegeneinander – der TV Aldingen gewann 4:3. Anschließend fand die Jahreshauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Remseck statt. Die Besucher konnten miterleben, wie ein Zimmerbrand schnell gelöscht wird.
Zum offiziellen Festabend kamen dann alle Gäste und Gastgeber in die Bürgerhalle Hochberg. Nach einem Sektempfang, musikalisch umrahmt vom Spielmanns- und Fanfarenzug der Feuerwehr Remseck, und dem obligatorischen Gruppenfoto hielt Oberbürgermeister Karl-Heinz Schlumberger die Festrede zum Partnerschaftsjubiläum. „Ob die Initiatoren vor 40 Jahren damit gerechnet haben, dass die Partnerschaft 40 Jahre hält?“ fragte er zu Beginn und drückte seine Freude darüber aus, dass die Beziehungen so lebendig sind, dass wieder mehr als 100 Franzosen den weiten Weg nach Remseck auf sich genommen haben, vor allem viele Jugendliche. Schlumberger zitierte Christian Uhde, den langjährigen Münchner Oberbürgermeister, der zu Städtepartnerschaften einmal gesagt hat: „Ideal möchte ich sie nennen, wenn sie nicht aus „Kommunaltourismus” bestehen, sondern von möglichst vielen Institutionen außerhalb der Stadtverwaltung mitgetragen werden.“ Das sei in Remseck der Fall, wo die Kontakte nicht nur auf kommunalpolitischer Ebene bestehen, sondern vor allem zwischen dem Musikverein Aldingen und der Harmonie Ste. Cécile, den beiden Feuerwehren, den Schulen und nun auch zwischen Sportvereinen.

Städtepartnerschaften sollen nach dem Zweiten Weltkrieg zur Aussöhnung zwischen den Ländern beitragen. „Die politische Ebene ist natürlich wichtig und spielt eine entscheidende Rolle“, so der Oberbürgermeister, „aber ein Gesicht bekommt die deutsch-französische Freundschaft auf lokaler Ebene.“
Schlumberger fragte aber auch, wie man Städtepartnerschaften heute zeitgemäß gestalten könne und plädierte dafür, den Blick auf den sozialen Frieden zu richten und ein europäisches Wir-Gefühl zu entwickeln, um auch in Zukunft friedlich und freundschaftlich zusammenzuleben.

Als Sinnbild für den Brückenschlag zwischen den beiden befreundeten Städten überreichte er als Jubiläumsgeschenk ein Bild des Künstlers Dieter Glock. Es zeigt die Holzbrücke über den Neckar. Schlumberger übergab das Geschenk an Huguette Gautier und Maryse Taunais, zwei Gemeinderätinnen, die es stellvertretend für die neugewählte Bürgermeisterin Noelle Launay in Empfang nahmen, die wegen familiären Verpflichtungen nicht nach Remseck kommen konnte.

Huguette Gautier las ein Grußwort der Bürgermeisterin vor, die darin bekräftigte: „Ich möchte die gemeinsame Geschichte unserer Städte weiterschreiben! Auch wenn ich diesmal nicht dabei sein kann, denke ich an diesem Abend an Remseck und freue mich, dass die Partnerschaft lebendig ist.“ Auch sie hatte ein Bild im Gepäck: In bunten Farben zeigt es die wichtigsten Gebäude von Meslay.
Bevor die rund 300 Festgäste an das schwäbische Buffet durften, wartete noch eine Überraschung auf Feuerwehr-Kommandant Helmut Wibel: Er wurde von den Feuerwehrkameraden aus Meslay mit einer neu geschaffenen Silbermedaille ausgezeichnet für seine Verdienste um die Partnerschaft.

Bei Speis und Trank verbrachten die Gäste einen völkerverbindenden Abend miteinander, viel Musik der Band Krämer‘s Kit und Schwof bis tief in die Nacht taten ihr Übriges. „Etwas müde“ traten die Franzosen am Sonntag früh um 6.30 Uhr nach herzlicher Verabschiedung die Heimreise an. À bientôt! Bis bald!
^
Redakteur / Urheber