Abendliche Veranstaltung in Remseck

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Wandeln auf den Spuren jüdischen Lebens


In Remseck-Hochberg gab es im 18./19. Jahrhundert eine große jüdische Gemeinde, deren Spuren man noch heute nachgehen kann. Zur Remstal Gartenschau 2019 wurde nun ein neuer »Rundwanderweg Jüdische Spuren« angelegt; ehrenamtlich konzipiert von Kai Buschmann in Zusammenarbeit mit der Fachgruppe Archiv, Registratur, Museen der Stadt Remseck am Neckar. 
Am Montag wurde der Rundwanderweg nun offiziell eröffnet. Dazu kam die Generalkonsulin des Staates Israel für Süddeutschland, Frau Sandra Simovich, eigens aus München angereist. Auch Frau Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch MdL vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz nahm an der Eröffnung teil.

Bei der offiziellen Eröffnung des »Rundwanderwegs Jüdische Spuren in Remseck am Neckar« | Foto: Stadt Remseck am Neckar

Oberbürgermeister Dirk Schönberger begrüßte die Gäste – darunter auch Vertreter des Gemeinderats und der Medien – am Neckarstrand, an dem der Rundgang startet. Die Route führt von der Remsmündung durch die Neckaraue nach Hochberg zur Besichtigung ehemaliger jüdischer Gebäude im alten Ortskern. Danach geht der Rundwanderweg weiter zum Jüdischen Friedhof am Ortsausgang von Hochberg Richtung Neckarrems. Über den Besuch des Jüdischen Zimmers im Museum »Altes Schulhaus« in Neckarrems führt der Weg dann zurück zur Remsmündung.

Gabriele Gurr-Hirsch betonte in ihrer Ansprache, wie wichtig es ist, die jüdische Geschichte vor Ort sichtbar zu machen: »Der Satz 'Man muss wissen woher man kommt' war noch nie so wichtig wie in der heutigen Zeit, in der es Tendenzen der Diskriminierung gibt«, so die Staatssekretärin. »Es macht etwas mit einem, wenn man durch eine ehemals jüdische Gasse geht und deren Geschichte kennt.« Deutlich wird diese vor allem in der Hauptstraße in Hochberg, in der allein die enge Straßenführung schon ein Zeichen für die jüdischen Spuren in Remseck am Neckar ist. Kai Buschmann erklärt: »Juden durften keine Landwirtschaft betreiben, deshalb brauchten sie vor dem Haus keinen Platz für landwirtschaftliches Gerät. Daher bauten viele bis an den Straßenrand.«

In der ehemaligen Synagoge | Foto: Stadt Remseck am Neckar

Etwas weniger signifikant als der Davidstern über dem Portal der Christuskirche, aber von enormer Bedeutung für die jüdische Geschichte in Remseck am Neckar ist die als methodistische Kirche genutzte ehemalige Synagoge. Spannend ist hier vor allem zu hören, wie das Gebäude in der Reichspogromnacht durch den Einsatz Hochberger Bürger vor der Zerstörung bewahrt wurde.

Vor allem das bürgerschaftliche Engagement vor Ort in beeindruckte Sandra Simovich besonders. »Keine gute Tat wird getan, ohne dass sich Menschen darum kümmern und aktiv gestalten wie hier in Remseck am Neckar«, so die Generalkonsulin. »Es ist wichtig, dass Verständnis dafür geweckt wird, dass hier eine große jüdische Gemeinde gelebt hat und dass dies Teil der Remsecker Geschichte ist.« Ein physisch erlebbarer Weg sei daher die beste Möglichkeit, die jüdische Kultur sichtbar zu machen und zu verstehen.

Die erste öffentliche Führung über den neuen »Rundwanderweg Jüdische Spuren in Remseck am Neckar«  wird am Sonntag, 30. Juni 2019 angeboten; weitere Termine sind 7. Juli, 4. August und 6. Oktober 2019. 

Weitere Informationen dazu gibt es unter www.remseck.de/gartenschau/fuehrungen.
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